Prioritäten definieren

Letztens meinte jemand - "Das sind so Sachen wo niemand sagen kann wofür sowas gut sein soll im Leben!" - als ich ihm erzählte, dass ich extreme Nierenprobleme habe seit Anfang der Woche. Doch - für mich macht es voll Sinn - nämlich, meine Prioritäten zu überdenken.


Ich liebe meine Arbeit - ich liebe die meisten meiner KollegInnen - und ich bin auch bereit, über meine Grenzen zu gehen, um den Fortbestand - bzw. den Aufbau - meiner Projekte - sowohl aufrecht zu erhalten - als auch weiter zu be.treiben - allerdings ab sofort nur mehr unter gewissen Voraussetzungen.

Da ist auf der einen Seite mein realer Vollzeitjob, wo ich für einen Standort mit 32 Jugendlichen und 6 Erwachsenen verantwortlich bin - und dabei weisungsgebunden an unseren direkten Vorgesetzten, der ca. eineinhalb Stunden Autofahrt von uns entfernt seinen Standort hat - also nicht dauernd greifbar ist.

Vor etwas mehr als 2 Wochen gab es ein Gespräch - bezüglich einiger Unstimmigkeiten - wo ich ihm versprach, nochmal bei Null zu beginnen - dem Team als solches eine echte und neue Chance zu geben - und mich mit ätzenden Meldungen zurück zu halten.

Es fiel mir recht leicht, weil es die betroffene Person vorzog, mich einfach zu ignorieren. Was jetzt vielleicht bissale blöd ist, wenn ich den Standort und die Aktivitäten der anwesenden Personen koordinieren sollte - aber nicht weiß, wie und wo ich meine Leute finde - bzw. eben einen von ihnen.

Donnerstag und Freitag war ich dann Vormittags nicht im Haus und da dürften wieder einige Dinge vorgefallen sein, die jetzt dann meine persönliche Schmerzgrenze überschritten haben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes - Montag bis Mittwoch war ich - trotz Nierenkoliken - weiterhin in Amt und Würden.

Aber als ich Donnerstag Mittag ins Büro kam und mit Problemen bombadiert wurde - und zwar immer letztendlich ausgelöst - oder nicht zu unser aller Zufriedenheit gelöst - durch ein und dieselbe Person - hab ich alle guten Vorsätze über den Haufen geschmissen - und mir meinen Frust von der Seele geschrieben.

Seither sind die Koliken schlagartig weniger - und erträglicher - sie sind noch nicht ganz weg - aber der Schmerz ist nur mehr ein dumpfer - ab und zu schwillt er kurz und stechend an - aber die Grundtendenz ist nicht mehr so heftig wie die ersten drei Tage der Woche.

Vielleicht hätte ich noch ewig so weiter gemacht - mich daran aufgerieben, dass ich genau weiß, dass uns der aktuelle Zustand nicht gut tut - nicht nur mir - dem kompletten Projekt - aber ich hätte weiter geschwiegen - weil ichs versprochen hatte - nur so war mir meine Gesundheit letztendlich wichtiger.

Auf der anderen Seite gibt es boniup - "meine (un)heimliche Leidenschaft" - wo ich auch schon mehrfach kurz vorm "ausrasten" stand - wo es aber letztendlich immer zu einem produktiven Gespräch mit den Verantwortlichen kam, welches mich nicht nur zum "weitermachen" veranlasste, sondern uns als Team immer mehr zusammen schweisste und schweisst.

Bei boniup ist mein "Chef" viel weiter weg wie im unselbständigen Vollzeitjob - aber wir kommunizieren über Skype und Mail und Chat - wir stehen in ständiger Verbindung und ich weiß, dass ich jederzeit alles sagen/schreiben kann, was mir auf der Seele brennt - und dass ich auch jederzeit echtes und ehrliches Feedback bekomme.

Da "scheuert" nix mehr, was mir Nierenkoliken verursacht - es gibt zwar immer wieder "Reibereien" - aber die können im nächsten "Gespräch" immer absolut und nachhaltig beseitigt werden. Da ist es so wie mit dem Rest des Teams im realen Job:

Wenn ich viel zu tun hab - Terminarbeiten am Monatsende und ähnliches - ein Kollege kommt und möchte was - ich schau auf - sag "jetzt nicht" - dann zieht er wieder von dannen und weiß, sobald ich Luft hab, komm ich und frag, worums geht.

Machen alle - bis auf einen - derjenige beschwert sich dann lieber drüber, dass "jetzt nicht" keine Form von Kommunikation sei, die er akzeptieren könne und würde. Mit sowas kann ich nicht zusammen arbeiten - nicht in einem Projekt, wo es darum geht, für andere Menschen neue Perspektiven zu schaffen.

Für mich geht es dabei darum, meinen/unseren Schützlingen einerseits Grenzen bei zu bringen, die sie noch nie gesetzt bekamen - aber sie gleichzeitig auch liebevoll in ihre Zukunft zu beg.leiten - ihr Selbstbewusstsein finden zu helfen - sie zu motivieren - sie zu be.stärken - und ihnen wirklich die Hoffnung auf ein erfülltes Leben zu vermittlen - bzw. auch - es ihnen vor zu leben.

Und das ist nur in einem funktionierenden Team möglich - wo wirklich alle in die gleiche Richtung voran schreiten - alle - ausnahmslos - wo jeder weiterhin seine Individualität einbringen kann und darf und soll - aber das Ziel MUSS das gleiche sein - und dieses Ziel heisst nicht, das eigene Ego zu polieren und "einen auf Wichtig" zu machen - sondern unser Projekt zum Erfolg zu führen.

Wenn wir das schaffen, was von uns erwartet wird, dann ist das nicht mein Erfolg - sondern einzig und allein - "unser aller Erfolg" - und da spielt jetzt nicht nur konkret unser Team mit - sondern auch alle unsere Vernetzungspartner, mit denen wir mehr oder weniger intensiv zusammen arbeiten.

Ich bin überzeugt davon, dass wir - alle gemeinsam - Grosses be.wirken können - wenn wir alle am gleichen Strang ziehen - und in die gleiche Richtung gehen - und noch eins ist klar - wenn - ja, wenn - denn noch ist es nicht so weit - wenn wir als Team unsere Einigkeit vorleben - wird es allein durch unsere Vorbildwirkung - auch zu einem Umdenken in unseren Schützlingen führen.

Wenn eine Person dagegen steuert - oder dagegen rudert - dann ist auch das etwas, was die einzelnen Gruppen wahrnehmen - und uns im Aussen spiegeln - solange wir es nicht im Innen gelöst haben. Ist einfach so - und mir ist es bewusst - und einigen anderen auch - wir TrainerInnen und sozialpädagogischen BetreuerInnen sind Vorbild - und unsere Gruppen spiegeln unsere Truppe.

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