Auszeit

Woow - wieder mal (m)ein persönliches Aha-Erlebnis - diesmal gehts um "eher männliche" und "eher weibliche" Sichtweisen - dass dies aber letztendlich geschlechtsneutral zu sehen ist - gibt Männer mit tendentiell eher weiblichen Sichtweisen und Frauen mit tendentiell eher männlichen Sichtweisen - und es geht auch um die Kommunikation auf Sachebene oder "etwas persönlich nehmen" ;-)

Vor Kurzem meinte jemand, der mir nahe steht, er brauche mal ne Auszeit - 2 oder 3 Tage nur für sich - einfach so - ohne vorheriges Drama - schlichte Feststellung - und ich nahms als solche, meinte dann nur, sag mirs bitte nur vorher, damit ich mir keine Sorgen mach.


Kurz danach gabs noch ein Telefonat, wo er mir noch versicherte, dass es nichts mit mir zu tun habe und ich meinte, "ist mir klar". Heute sprach mich jemand, die bei dem Gespräch dabei war, drauf an, wie es mir jetzt wirklich damit gehen würde - und ich war irgendwie überrascht und verwundert - wie sollte es mir gehen?

Und jetzt, als ich vom Einkaufen heim fuhr - und im Hochzeitsstau steckte - fiel mir diese Situation wieder ein - und noch ne andere ;-)

Ich hatte ja voriges Jahr einen dreimonatigen Zustand, der irgendwie ne Beziehung hätte werden können - wenn wir nicht so grundlegend verschieden gewesen wären.

Da gabs nach ca. drei Wochen ein relativ ähnliches Gespräch - wo ich damals meinte "du, mir wird das grad alles zu dicht, ich brauch ne Auszeit für ein paar Tage - etwas Zeit, nur für mich." Mein damaliger Lover packte darauf seine Sachen zusammen und schmollte mich an, meinte, ich solle doch einfach sagen, wenn ich "Schluss machen möchte" und nicht so geschwollen rum reden.

Damals versuchte ich, ihm zu erklären, dass ich einfach mal wieder "allein sein" möchte, einfach mal die Tür hinter mir zumachen - mit meinen Katzen schmusen - das Haus aus Vordermann bringen - einfach eben - etwas Zeit für mich.

Er hatte es nicht verstanden - ich brachte ihn heim - er schmollte und war beleidigt. Nach einigen Tagen schickte er mir ne Nachricht, ob wir uns treffen und reden könnten. Ich sagte zu - wir trafen uns - er dürfte in der Zwischenzeit mit einigen anderen Menschen geredet haben - und meinte, er sähe es nun ein, dass ich mehr Zeit für mich selbst bräuchte und ich solle ihm doch noch ne Chance geben.

Wobeis ers noch immer nicht verstand, dass ich nie die Absicht gehabt hatte, mit ihm "Schluss zu machen", sondern einfach das brauchte, was ich kommunizierte - eine kurze Auszeit - etwas Zeit für mich - nicht dauernd mit jemanden zusammen unterwegs zu sein - zusperren, abschalten - stundenlang in der Badewanne liegen und relaxen.

Jetzt saß ich grad mitten auf der B17 im Auto und fing voll zu lachen an, weil mir dann auch nach mein erstes Genderserminar einfiel, welches ich besuchte vor einigen Jahren.

Damals gings um "eher männliche" und "eher weibliche" Sichtweisen - und schon damals stellte ich fest, dass ich eine eher männliche Sichtweise mein eigen nenne. Da ich aber dann doch tendentiell mehr Frau bin, tu ich mich doch manachmal wesentlich leichter, mit Männern zu kommunizieren wie manch andere Frau - weil deren Sichtweise auch meine ist - so tendentiell :-)

Und das ist für Männer oftmals nicht nachvollziehbar, weil sie Frauen gewohnt sind, die eben eher auch eine weibliche Sicht- und Denkweise ihr eigen nennen. Wir hatten uns darüber schon mal zu dritt unterhalten, weil meine Tochter mir da sehr ähnlich ist - und wir einem Mann versuchten zu erklären, dass wir eben nicht "typisch weiblich" sind - in Bezug auf Sicht- und Denkweise.

Es ist auch oftmals witzig - und die Diskussion hatten wir erst gestern - mit einer Frau, die sich nicht vorstellen kann, dass jemand "allein leben" möchte, dass man sich nicht drauf freut, wenn jemand zu Hause auf einen wartet - und zu dem man sich kuscheln kann.

Und es gibt oft Männer, die ein nachhaltiges Problem damit haben, wenn ich - im Brustton der Überzeugung - meine, dass ich mir keine Beziehung im klassischen Sinn mehr vorstellen könne - also sicher nicht mit zusammen wohnen und leben - das geht gar nicht - nicht mehr in meiner Welt.

Meine Vorstellung von etwas, was irgendwie den Touch einer Beziehung haben könnte wären gelegentliche Treffen, wo wir beide Zeit für einander haben - definierte Zeit - ein Wochenende im Monat oder so - oder mal ne Nacht zusammen irgendwo, mit Candlelightdinner vorehr und gemütlichen Frühstück danach - und in dieser Zeit unser Zusammensein richtig auskosten - mit allem, was dazu gehört - aber den Rest der Zeit jede.r unser Leben leben.

Gestern erklärten mir einige der anwesenden Personen, dass ich, wenn "der Richtige" käme, sicher anders denken würde - nein - kann ich mir nicht vorstellen - ich lebe schon zu lange alleine - und ich weiß, was raus kam, als ich nach 4 Jahren Singledasein dann meinen 2. ExMann kennen lernte - das war keine Liebe, der war irgendwie genau das Gegenteil vom 1. Ex - und ich dachte damals noch, dass dies genügen würde für ein beschauliches restliches Leben.

Ich brauche Menschen um mich - unterschiedliche - mit denen ich angeregte Diskussionen führen kann - die sich mir gegenüber öffnen - und bei denen ich das Gefühl habe, dass ich das auch kann und darf. Aber ich möchte nie wieder jemanden, der permanent um mich ist - und das ist geschlechtsneutral - ich könnte mir auch nicht vorstellen, mit einer Frau in einer Wohngemeinschaft zusammen zu leben.

Aktuell habe ich ein absolut tolles Leben - auf der einen Seite die intensive berufliche Zusammenarbeit mit Peter - die Kommunikation mit seinen Fans, aus der heraus sich grad auch neue Freundschaften ent.wickeln - und auf der anderen Seite der Reiz, mit Männern zu flirten - unverbindlich - ohne Hintergedanken, die jetzt unbedingt "ins Bett bekommen zu müssen" oder auch, mit ihnen eine klassische Beziehung eingehen zu wollen.

Ja - es gab in letzter Zeit einen Mann, wo ich schon wieder mal Lust auf mehr als nur verbale Nähe verspürte - aber auch da war letztendlich zu viel Trennendes, als dass es jemals zu echter körperlicher Nähe gekommen wäre.

War gestern auch kurz Thema - Sex um des Sex willen - und ich stellte fest - geht für mich gar nicht - wenn ich mit einem Mann körperlich intim werde, dann muss da schon "mehr" da sein als nur die Lust auf Sex - da muss es Berührungspunkte geben, da muss die Situation passen - es muss sich einfach ergeben und entwickeln.

Ich hatte vor Kurzem auch ein Gespräch mit einer ganz lieben Freundin, der ich mal erzählte, ich hätte das im Vorjahr letztendlich nicht ausgehalten, weil ich nicht mit ihm reden konnte - also nicht über die Dinge, die mir persönlich wichtig sind - wir hatten geilen Sex - vielleicht den besten und für mich befriedigendsten meines Lebens - aber das wars letztendlich auch - der Rest passte absolut überhaut nicht.

Und ohne dem will ich auch nicht mehr - ich bin alt genug, um zu wissen, was ich wirklich brauche - und auch will - und ich werde mich nie wieder "unter Wert verkaufen" - auch nicht für die Chance, so etwas jemals wieder zu erleben.

Auf jeden Fall rief sie mich vor Kurzem an und meinte, sie würde jetzt verstehen, was ich damals gemeint hatte - wei bei ihr sei es ählich - nur Sex zwegen der körperlichen Befriedigung - geht gar nicht mehr - auch sie will mit ihrem Gegenüber kommunizieren und intensive Gespräche führen können.

Aber ich schweife grad nachhaltig vom Thema ab - aber das kennt ihr eh schon - wenn mir tausend Gedanken durch den Kopf gehen, müssen die irgendwie raus, sonst bekomm ich wieder Kopfschmerzen - und das mag ich zB auch nimma.

"Eher männliche" und "eher weibliche" Sichtweisen. Keine klassische Beziehung - mit niemanden mehr zusammen leben - sich für "schöne Stunden" zu treffen - würd ich jetzt als "eher männlich" bezeichnen - dass ich nur mehr Sex mit jemanden möchte, den ich auch gut kenne, oder zu dem mich etwas hinzieht, für den ich Gefühle ent.wickle - das ist wieder "eher weiblich" - aber doch zu wenig für "was klassisches":

In diesem Sinne - für mich bedeutet - ich brauch ne Auszeit - schlicht und einfach - ich brauch ne Auszeit - egal, ob ichs selbst sage - oder es mir jemand sagt - war mir jetzt wichtig, es auch auf zu schreiben - weil ich merke es aktuell auch immer wieder, dass - speziell Männer - es selten glauben können oder wollen, dass ich das meine, was ich sage - wenn ich Feststellungen zu meiner Befindlichkeit und meinen Bedürfnissen äussere.

Letztens auch - ich war in einer Situation, die mir persönlich nachhaltig unangenehm war und ist - ich wusste, dass ich absolut sachlich und unemotional bleiben wollte - und "machte dicht" - baute für einige Zeit wieder mal meine emotionale Mauer auf und begab mich bewusst in diese Situation.

Mein Gegenüber kennt mich seit Jahren - kennt mich auch in meiner Offenheit - und hat oft genug erlebt, dass ich weiß, was ich will. Er merkte natürlich, dass ich nicht ich selbst war - und sprach mich drauf an, ob es mir jetzt wirklich gut gehen würde mit dem, was ich grad tu - ich überlegte und kommunizierte danach "JA".

Mir war bewusst, dass ers ganz anders gedeutet hat, als ichs meinte - weil er nickte lächelnd und wissend - mir war klar, dass er davon ausging, dass ich absolut unsicher und mir meiner Selbst nicht bewusst war - doch das, was ich überlegte - und in dem Moment auch entschied war viel mehr:

Ich werde mich nie wieder in Situationen bringen, wo ich mir meine Mauer wieder aufbauen muss, um mich gegen Dinge zu schützen, die mich belasten und runter ziehen. Von daher fühlte ich mich in dem Moment absolut nicht wohl - das war auch offensichtlich - aber ich fühle mich noch immer wohl darin, diese EntScheidung getroffen zu haben - und auch durchgezogen zu haben.

Wobei ich jetzt nicht sicher bin, ob diese - für mich wieder "eher männliche" Denkweise wirklich sehr vielen Männern eigen ist *zugeb*. Doch jetzt überlasse ich euch wieder euren eigenen Denk- und Sichtweisen - aber manchmal hilfts, auch darüber nach zu denken, warum Männer und Frauen so oft an einander vorbei reden ;-)

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