Zeig dich

Ich bin ja schon lange im Internet unterwegs - früher mit zahlreichen HomePages - dann in Xing mit insgesamt 7 Gruppen - dann mit meinen Blogs - dann kam Facebook - und Twitter und LinkedIn - und und und.



In meinem ersten unselbständigen Job nach meinen 15 Jahren Selbständigkeit - also nach der Scheidung, nachdem ich das Haus und den Kredit übernommen hatte - gab es auch immer wieder interne Weiterbildungen.

Bei einem dieser Coachingtage meinte die Trainerin - "zeig dich endlich" - ich widersprach, dass ich im Netz präsent sei - und dass ich auch auf Netzwerktreffen zu finden bin - man kennt mich - und sie meinte nochmals - "Du fährst mit angezogener Handbremse - zeig dich endlich in deiner vollen Pracht."

Ich habs nicht verstanden - blieb weiter im Hintergrund - hinter Chefs - hinter Partnern - bis zum letzten Reinfall, wo es mir dann so richtig reichte. Ich hielt dann noch ein Jahr länger durch - in meinem Vollzeitjob - und freute mich nur mehr auf meine Pension.

Nein - ich hatte nie vor, dann nichts mehr zu tun - ganz im Gegenteil. Ich hatte mir schon vor Jahren vorgenommen, mich dann endlich um mich -  meine Gesundheit - meinen Garten - mein Haus - zu kümmern.

Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass alles schneller geht - aber langsam gewähn ich mich dran, dass ich eben nicht mehr jung und fit bin - sondern eben 60 - und jahr(zehnte)lang nicht nur meinen Körper vernachlässigt hatte.

Seit ich nicht mehr glaube, unbedingt einen Partner zu brauchen - seit ich es mir zugestehe, meine Abgeschiedenheit zu geniessen - seit ich mich auf mich besinne - ist das Leben viel voller - anders gesagt - viel ausgefüllter mit Dingen, die meiem Seelenheil zuträglich sind.

Ich passe mich den äusseren Bedingungen an und bin dabei relativ flexibel - wenn es trocken und nicht allzu kalt ist, bin ich draussen und mach im Garten weiter. Wenns feucht und kühl ist, mach ich was im Haus - oder erhol mich einfach.

Früher wars immer so, dass ich immer im Urlaub krank wurde - und dann einige Zeit nicht ausm Bett kam. In meinem letzten Jobs waren es dann heftigere Dinge wie Gürtelrose und Borreliose. Es gab Zeiten, da ich mich zu nix aufraffen konnte.

Heute gönne ich mir faule Tage - ohne Gewissensbisse - ohne, dass ich mir gegenüber ein schlechtes Gewissen habe - ich bleib einfach liegen - oder leg mich wieder nieder, nachdem ich meine Katzis versorgt habe.

Aber sobald sich draussen wieder die Wolken verziehen, tu ich irgendwas - manchmal sinds nur kurze Sägearbeiten, bis die Akkus meiner eierlegenden Wollmilchsau wieder aufgebraucht sind - manchmal verbringe ich echt Stunden draussen und arbeite weiter an meinem Schmuckstück.

Ja, es ist noch ein weiter Weg - aber ich hab ihn in Teilschritte zerlegt - hab Prioritäten verschoben - und richte mich auch nach dem, was an Geld zur Verfügung steht. Die neue Heizung war nicht geplant - aber sie ist bereits erledigt - der neue Kamin für den Holzofen folgt ab August.

Bis dahin ist dann auch im Haus noch einiges zu tun - aber das heb ich mir dann für den Sommer auf - wenns mir draussen sowieso zu heiß wird, um im Garten zu arbeiten. Aber darum bin ich auch jetzt so viel draussen - es ist von den Temperaturen her noch angenehm - vor allem, wenn ich mit Pullis oder Westen mit langen Ärmeln werkle.

Mich hatte ja im Vorjahr eine Wespe gestochen - und ich hatte ne allergische ReAktion - seither liegt das Notfallsset auf der Waschmaschine - falls mich mal wieder son Sumsi anspringt. Und jetzt sind sie noch nicht so präsent, ist ein weiterer Grund für Gartenarbeit.

Doch zurück zum - zeig dich.

Ich hatte mich eigentlich nie ums Gemüsebeet gekümmert - das war Sache meines LetztEx - und auch um die Stauden am unteren Ende des Grundstücks. Die sind dann immer weiter gewuchert und haben mir einen stechenden Urwald aus Brombeeren und Feuerdorn beschert.

Wenn man also auf mein Haus zufährt, war lange Zeit alles verwachsen und ungepflegt - heuer hab ich damit begonnen, dort alles weg zu schneiden und zu ent.sorgen - alles, was sticht und so vor sich hin wucherte, kommt weg.

Und ich kam auf die Idee, dort überhaupt dann auch die ganzen Wurzeln auszugraben - und eine Blumenwiese an zu legen - als Ausgleich für meine Sumsis, die dann eben keine Blüten von den stechenden Dingens mehr haben.

Da die Gemeinde wieder Äste und Stauden beschnitt, die in die Strasse hingen, fiel mir dann auch auf, dass der Zaun ziemlich verrottet ist - naja, kein Wunder, um den hat sich auch niemand gekümmert - seit Jahren - also auch schon zu Zeiten vom LetztEx.

Na dann - auch dafür braucht es ne Lösung - die einfachste ist, Bretter runter - war jetzt nicht wirklich einfach - hat aber einige zusätzliche Kondition gebracht - dann Metallteile weg - das kommt demnächst.

Gleichzeitig noch die ÜberReste vom Urwald ent.sorgen - und dann geht es den Wurzeln an die Substanz - alles, was rlativ leicht geht - den Rest mal schauen, wie es nächstes Jahr neu austreibt - und dann ev. lassen - und immer zurück schneiden - schaun ma mal.

Was für mich jetzt auch alles symbolisch dafür steht - zeig dich - man sieht wieder in den Garten - alles ist offen und frei - ja - es ist ein Wagnis - aber ob da jetzt morsche Bretter nicht schützen - oder kein Zaun - ist eigentlich gleich.gültig.

Der Urwald war auch irgendwie ein Schutz - irgendwie wie meine Höhle - ein ähnlicher Panzer wie mein Gewicht, welches mich vor Schden bewahrte. Ich will aber nicht mehr - ich will mich nicht mehr verstecken - weder hinter Dornen, noch hinter Kilos - ich zeige mich.

Ich zeige mich - in meiner vollen Größe - und auch Verletzlichkeit - in der Schönheit meines Grundstückes - und bald auch mit meiner Blumenwiese - die nicht mehr als Schutz vor den Blicken der Nachbarn dient - sondern dem Wohlfühlen und der Schönheit der Natur.

Mit dieser Blumenwiese hab ich dann wirklich alles - den Wald - die Blumenwiese - den Sitzplatz hinterm Haus - nächstes Jahr dann noch mein Hexendreieck - den Feuerplatz werde ich auch noch renovieren - aber das hat noch Zeit - jetzt ist die Blumenwiese wichtig - für mich.



Bild von rikkerst auf Pixabay

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