was noch?

Anschließend an meinen letzten Beitrag

Wofür

kam dann noch etwas hoch in mir:

Wir - also meine Eltern und meine Brüder und ich - waren besser als alle die da draussen - weil wir waren eine richtige und gute Familie - wir hielten zusammen - wir halfen uns in allen Lebenslagen - we were the heroes.

Pustekuchen hoch 10000

War mir damals schon bewusst - ist mir noch heute klar - nichts davon stimmte - wir waren weder eine Familie, noch eine gute - es herrschte nur Lug und Trug und Haß. Alle waren Allen Alles neidisch - und es ging einfach nur darum, sich das Leben schön zu reden - unser mickriges erbärmliches Leben.

Alle und Alles andere musste schlecht geredet werden, damit wir uns besser fühlen konnten - glückliche Familie? Von wegen.

Mein ältester Bruder wurde verstoßen als er heiratete und sich die Eltern der Braut weigerten, ihn an ihrem Haus an zu schreiben. Die eigene Mutter hat an die 40 Jahre nicht nur kein Wort mit ihm gesprochen - sie hat ihn nicht mal erkannt, wenn sie ihn auf der Straße sah - ihren eigenen Sohn, der im gleichen Ort lebte wie sie.

Als ich alt genug war, dass ich auf Festeln gehen durfte, wurde ich eindringlich vor ihm gewarnt - weil er war ja auch einer der Bösen da draussen - ich traf ihn trotzdem - aber ich erzählte es eben nicht - zu Hause - in dieser doch ach so glücklichen und tollen Familie.

Zwei Beispiele, welche so typisch für meine ach so liebevolle und fürsorglich scheinen wollende  Mutter sind:

Während meine Schulzeit in der HAK Wiener Neustadt wunderte ich mich immer wieder, woher meine Mutter so viele Details meines Alltags kannte - arbeitet sie doch im 2-Schicht-Betrieb an einer Papiermaschine - mein Vater meinte immer, sie wisse alles - sie sei eine Hexe.

War übrigens auch lange der Grund, warum ich selbst nicht als Hexe bezeichnet werden wollte, weil es eben genau das Bild hoch holte. Ok - woher wusste sie es wirklich? Weil ich im Schlaf sprach - also, wenn sie mich was fragte - gab ich ihr wahrheitsgetreue Antworten - die sie dann gegen mich verwendete.

Irgendwann schlief ich mal noch nicht, als sie von der Nachmittagsschicht heim kam - und erlebte es live und bewusst mit, was da so jeden Tag ablief - und damals stellte ich das auch ab - ich redete nie wieder im Schlaf - und sie verlor ihre beste Auskunft.

Als ich dann im 2-Schicht-Betrieb in der IT arbeitete, bleib meine Tochter bei meinen Eltern - und auch da wurde natürlich viel böses Blut gestreut - war mir damals jedoch nicht wirklich bewusst - bis zu dem Tag, an dem mein damaliger Mann Geburtstag feierte.

In seiner Familie war jeder Geburtstag Anlass für eine mega Familienfeier - so auch der eine - bei dem auch meine Mutter mit dabei war - bei uns zu Hause - die ganze Wohnung voll mit Verwandten - und Kindern - und Keksen - und sonstigen Naschereien.

Irgendwann erzählte sie mir - ja, sie - sie war auch noch stolz darauf - dass meine Tochter gesehen hatte, wie eine seiner Nichten zu meinem Mann ging und fragte, ob sie einen Keks haben dürfe - selbstverständlich bejahte er - und meine Tochter fragte meine Mutter, ob sie auch einen bekommen können - und die Antwort meiner Mutter war:

"Nein, ist sein Geburtstag - und seine Nichte - die darf sowas - du bist ja nur die Tochter seiner Frau."

Lass dir das mal auf der Zunge zergehen - eine Großmutter, die so etwas ihrer Enkelin antut - und es dann auch noch der Mutter erzählt - ganz stolz über ihre tollen "Erziehungsmethoden".

Damals wurde mir bewusst, dass sich das Alles wiederholte - es dauerte dann zwar noch etwas, bis ich meine Tochter wieder zu mir holte, aber es war klar, dass es keinen anderen Weg gäbe.

Also wenn meine Mutter eine Hexe war, dann eine der dunkelschwarzen bösen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren - und Neid und Mißgunst ausströmten, wo auch immer sie hin kam.

Warum schreib ich das alles nieder? Weil es endlich bewusst wurde - und ich hab aber auch keine Lust, es mir merken zu müssen - also schreib ich s auf - sollte es mich irendwann interesseieren, nach zu lesen - kann ich es tun - ansonsten - weg damit ......

Es war einmal - ich kann es nicht mehr ändern - es hat mich zwar bisher auch behindert - in meiner EntWicklung - weil diese alten Prägungen noch ganz stark in meinem UnBewussten vergraben war - jetzt ist es da draussen.

Ich bin dankbar für Alles, was ich lernen durfte - auch, wenn es nicht immer leicht war - aber ich wäre nie so geworden, wenn ich einen anderen Start gehabt hätte.

Aber - JETZT - ist es Zeit - diese alten Beschränkungen und GlaubensSätze los zu lassen - es wird Zeit - für mich - einen Neustart aufs Parkett zu legen.

In diesem Sinne - was war, war - aber es ist nicht mehr.

Ruhet in Frieden
 
Beitragsbild von Michael Gaida auf Pixabay

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