Nimm das nicht zu leicht

Danke - ich weiß, dass dus dir nicht vorstellen kannst, dass jedes Wort stimmt, was ich je geschrieben hatte - über diese eine Beziehung in meinem Leben - die mir die Wichtigste gewesen wäre - wenn es denn je eine gewesen wäre.

Ja - ich habe genau das gebraucht - um genau der Mensch zu werden, der ich bin - aber ich hab - grad in Bezug auf diese eine Person - schon vor Jahrzehnten gelernt, mich abzugrenzen - mich abzuschoten - um nicht täglich aufs Neue verletzt zu werden.


Sollte ich ihr verzeihen?
Wenn ja - was genau?

Dass sie es nicht besser wusste und konnte? Das brauch ich niemanden zu verzeihen - das sind Fakten - mit denen kann ich schon seit langer Zeit ganz gut leben. Ich maße mir nicht an, besser zu sein wie sie - aber ich habe durch sie gelernt, es anders zu machen.

Ich fuhr im gleichen Fahrwasser - auch ich habe sozusagen meine Tochter verstossen - jahrelang nichts mit ihr gesprochen - ich hatte keine Idee, was Mutterliebe sein könnte - aber - ich habe mich jahrelang bemüht, das zu ändern.

Mir halfen Aufstellungen - in denen ich als kaltherzige Mutter stand, was mir irgendwie sowieso bekannt war - und ich stand fallweise als liebevolle Mutter - und dieses Gefühl war überwältigend - und ich schaffte es, es auch in mein Leben zu integrieren.

Wenn ich jemanden erzählte, welches Problem ich hatte - konnte es niemand wirklich nachvollziehen - bis zu der einen Aufstellung - wo ich nicht mehr weiter wusste - und mich nochmal dem Thema - Verbeugung vor meiner Mutter - stellt - im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte - und wissend, was auf mich zukommt.

Der Aufstellungsleiter kannte mich schon lange - er hatte mich auch aufgefangen, als mein Ex sich umdrehte und vor die Glotze hockte, als ich nichts dringender brauchte, als ein paar Arme, die mich einfach fest hielten.

Er war der, der mich in die Vergangenheit begleitete - mein Aha-Erlebnis, dass meiner Tochter glauben gemacht wurde, sie sollte abgetrieben werden - obwohl das NIE zur Debatte stand. Er begleitete mich in die tiefsten Tiefen - und die Erkenntnis, warum jemand sowas abscheuliches verbreitet.

Auch das kann und werde und brauch ich ihr nicht zu verzeihen - sie ist gestraft genug - sie musste mit ihr leben - und sie wird sich jetzt dafür verantworten müssen - wo auch immer - und wem gegenüber auch immer - mir gegenüber hat sie noch etwas Zeit - ich habe nicht vor, ihr so schnell nach zu folgen.

Diese eine Aufstellung - wo ich bereit war, es zu versuchen, mich vor meiner Mutter zu verneigen - und ihr dafür zu danken, dass sie mir das Leben geschenkt hat - was nicht stimmt - weil sie wollte es mir nicht schenken - sie wollte es mir nehmen - lange, bevor sie wusste, dass ich "nur" ein Mädchen werde.

Ich war die Strafe - ich war nicht nur "nur" ein Mädchen - ich hab auch alles andere überlebt - ich habe - trotz ihr - überlebt - aber vor dem bewusten Coaching wars schwerer für mich, weil bis dahin liebte ich sie auch - und hoffte, jemals etwas wie mütterliche Liebe und Zuneigung zu bekommen.

Und dann kam endlich der Moment, wo ich wusste, dass sich alles ändern wird - dass ich jetzt endlich die kleine Tochter sein darf - und nicht noch weitere Jahre und Jahrzehnte auf die Befindlichkeiten der Großen Rücksicht nehmen muss.

Ich stand da - wie immer - wie Jahrzehnte zuvor - heulend und liebesbedürftig - und sie stand mir gegenüber - kalt und unnahbar - sie sah mich nicht mal - die Stellverteterin - und sie hatte enorme Probleme - als Mensch, der sie auch war - ich hab sie getröstet und ihr gesagt - ich kenns nicht anders - sie kollabierte beinah.

Und der Aufstellungsleiter nahm sie zur Seite und meinte zu mir - wie hast du das all die Jahre überlebt?

Mit eisernen Willen - mit meiner Kraft und Stärke - mit meinem Willen zu überleben - mit dem Wunsch, meiner Tochter irgendwann eine gute Mutter zu sein - und für mich mein Glück zu finden.

Er stellte mir all meine Ahnen zur Seite - damit ich deren Liebe empfangen durfte - endlich - nach Jahrzehnten des Alleinseins - des täglichen Überlebenskampfes - ich spürte die Liebe, die aus den Generationen auch zu mir - und durch mich - floss - und ich hab sie lange einfach nur aufgesogen - mich angelehnt - und genommen.

Seither ist mein Leben anders - nicht ganz - den nächsten großen Schritt habe ich erst vorige Woche geschafft - die letzten Verstrickungen zu lösen, die mich am Boden festklammerten.

Ich nehme es nicht zu leicht
Endlich nehme ich es leicht

Die Bürde meiner Herkunft ist von mir genommen - ich suche nicht länger nach Ausreden, warum alles so kommen musste, wie es kam - es ist mir nicht mehr wichtig, warum ich mir gerade die Eltern ausgesucht hatte - sie stehen mittlerweile beide vor ihren Richtern.

Nein, ich glaube nicht an den alten Mann mit dem Rauschebart - ich gehe davon aus, dass es eine grosses Meer von Seelen gibt - aus dem alle inkarnieren - und wohin alle wieder zrück kehren - und wo jede und jeder nochmals mit ihren/seinen Taten konfrontiert wird - aus einer allparteilichen Sicht.

Und für mich ist meine Erlechterung - seit dem Anruf am Samstag früh - jetzt steht sie auch dort - und muss sich ihre ReAktionen aus der Sicht derer anschauen, denen sie das Leben zur Hölle gemacht hat. Nein, nicht absichtlich - aber trotzdem nachhaltig und dauerhaft.

Ich hege keinen Haß ihr gegenüber - nicht mehr - der Haß schlug schon vor Jahrzehnten in Abgrenzung und Selbstschutz um - ich hätte es nicht überlebt, wenn ich mich daraus nicht befreit hätte. Aber ich habe - jetzt - die Genugtuung, dass sie JETZT weiß, was sie wem angetan hat.

Sie war gefangen in ihren eigenen Verstrickungen - sie musste miterleben, wie ihr Lieblingssohn starb, bevor er überhaupt noch zu leben begonnen hatte. Sie wurde benutzt und mißbraucht - aber ich bin auch nicht schuld dran - nur - ich hätte es büssen sollen - spielts nicht - nicht mit mir.

Ich habe mir geschworen, mich überlebt sie nicht - ganz im Gegenteil - ich werde - spätestens jetzt - mein Leben noch viel mehr geniessen, wie ich es bisher schon fallweise getan hatte - ja - in diesen Dingen bin ich ihr ähnlich.

Sie wollte noch miterleben, dass mein Haus mir gehört - sie hat zwar nicht mehr die Urkunde gesehen, weil mir noch eine Kleinigkeit fehlt, ums wirklich auch dokumentiert zu haben - aber sie hat es erlebt - diese Sturheit habe ich auch.

Als mein Vater starb war das für mich so die Vorstellung - er sitzt jetzt mit meinen Brüdern auf der grossen Wolke - und sie halten ihre schützenden Hände über mich und meine Tochter - das wird so bleiben - weil dort, wo sie jetzt sind - alle - ist alles Liebe - dort gibt es keinen Platz für Haß und Neid und Mißgunst.

Und dort darf auch jede und jeder Einzelne wieder erfahren, dass sie/er "selbst schuld" ist an dem, was sie/er erleben musste - auf der einen Seite, weil wirs uns selbst ausgesucht hatten, was wir erleben und erfahren wollen - und auf der anderen, weil wir eben auch genau das daraus gelernt hatten, was wir taten.

Nein - meine Version muss niemand glauben - und/oder - nachvollziehen können - für mich ist es eine Erleichterung und Befreiung - aus den Zwängen dieser Familie heraussen zu sein - sie da oben wohllbehütet sitzen zu wissen - und - sie schauen freundlich auf mich, wenn ich jetzt endlich mein Leben lebe.


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