Muss ich denn sterben - um zu leben?

Wooow - welche Nacht - welche Erkenntnisse - bin grad voll gerädert - und wie passend - heute, wo ich das schreibe - haben vor 64 Jahren meine Eltern geheiratet - warum auch immer ;-) Also eins ist sicher, meine Mutter war nicht mit mir schwanger als sie meinen Vater heiratete - also der Grund war nicht der gleiche wie beim ersten Mal.

Aber das ist eine andere Geschichte - bzw. deren Problem - ich hab schon lang nicht mehr den Drang, es zu meinem machen zu wollen oder sollen oder müssen - obwohl diese Tendenz schon jahrelang im Raum stand.

Doch worum geht's mir - hier - jetzt - wirklich?

Der Titel stimmt eigentlich nicht ganz - er sollte eher heissen:

Wer oder was muss sterben, damit ich leben kann und darf?

Oder auch:

Muss eigentlich immer irgendwer oder irgendwas sterben, damit ich wieder neu anfangen kann und darf und muss, um endlich - wieder - zu leben - und mein Leben genießen zu dürfen - und zu können?

Also eigentlich hat der Erkenntnisreigen ganz anders begonnen - aber dazu komm ich dann in anderen Beiträgen - hier kommt die Essenz vorweg:

Wer oder was muss diesmal sterben, damit ich endlich wirklich leben kann und darf?

Da gabs den Film - The Kid - der mich faszinierte - bis zu dem Zeitpunkt, wo ich in der Körpertherapie heulend und nach Luft ringend da lag und es aus mir raus brach - "ich war gar nicht schuld."

Wer den Film kennt, wird wissen, auf welche Szene ich anspiele - also die, als er von der Schule heim kam und seine Mutter tot war - und der Vater sagte - "Du bist schuld, dass deine Mutter tod ist, weil sie wegen dir in die Schule musste."

Ich hatte den Film schon so oft gesehen - und damals kam eben das Aha-Erlebnis - ich war nicht schuld am Tod meines Bruders - der bei einem AutoUnfall verstorben war - auch, wenn meine Mutter immer wieder behauptete - "Wegen dir ist er gestorben."

Wobei - eigentlich hatte sie schon recht - in einer gewissen Art und Weise - und andererseits auch nicht - weil - es ging eigentlich nicht um DEN Bruder - es ging um meinen Zwilling, der sich opferte, damit ich überleben konnte.

Und auch daran war letztendlich nicht ich schuld, weil ich hab mich nicht mit ungeeigneten Mitteln abtreiben wollen - aber klar, ich hab überlebt - ich, das unnötige Mädchen - während der wichtige Bruder sich geopfert hat, damit ich leben durfte - und konnte - und darf - nein, endlich soll.

Dann starb eben mein Bruder - als ich 13 war - bei einem Verkehrsunfall - an die 30 km von dort weg, wo ich zu diesem Zeitpunkt war - und trotzde glaubte ich es, dass ich schuld dran war, dass er gstorben ist - weil ich immer so schlimm war - weil ich immer so ungut war - warum auch immer - er war 7 Jahre älter - er hat sich ganz gut gegen mich verteidigen können.

Aber ich glaubte es echt 30 Jahre lang, das er - wegen mir - gestorben ist - völlig unlogisch - und unmöglich - und überhaupt und außerdem.

Dann gab es da die eine Szene, als ich mit einem Glas Rotwein und ner Ziggi nackt vorm offenen Kamin lag und überlegte, ob ich Schluss machen sollte - oder komplett neu anfangen - ich entschied mich für zweiteres - wobei da vorher - in mir - auch schon Einiges gestorben war.

Oder auch der Moment, als ich auf der Autobahn Richtung München unterwegs war - mit weit überhöhter Geschwindigkeit - auf Schneefahrbahn - und mir ernsthaft überlegte, ob ich einfach bei der nächsten LinksKurve grad aus weiter fahr - auch da siegte letztendlich mein Wille zu Überleben.

Solche Momente gab es mehrere - allerdings nie, wenn ich grad mal alleine lebte - immer nur, wenn ich in Partnerschaften kurz vorm Kollaps stand - und ich dann echt und ernsthaft überelgte - wozu tu ich mir das überhaupt noch weiter an?

Das letzte Mal war Mitte Dezember 2016 - auf der Autobahn von Stuttgart heim - wobei ich da eigentlich nicht überlegte, meinem Leben ein Ende zu machen - da wars schon anders - da war eher so der verzweifelte Schrei - "ich will endlich MEIN Leben zurück".

Dafür musste damals mein LeihBaby sterben - stimmt nicht ganz - eigentlich wars zu dem Zeitpunkt eh schon tot - so nach dem Motto - ein totes Pferd sollte man nicht mehr reiten wollen - aber ich wollte doch noch etwas retten - und ich habs mir dann noch ein Monat gegeben, bis ich das Handtuch schmiss - und nach 3 Jahren endlich wieder in mein Leben zurück kehrte.

Auch da hab ichs danach durch gezogen - es waren immer einschneidende Erlebnisse, die mich dazu brachten, aus dieser selbst gewählten SelbstAufgabe raus zu kommen - mein (Über)Leben endlich an zu nehmen - und etwas daraus zu machen - es zu genießen und es Wert zu schätzen.

Das Aha-Erlebnis war jetzt eben - ich hab mich in jeder Beziehung automatisch in die zweite Reihe gestellt - weil ich da noch was gut zu machen hatte - dachte ich - bis vor Kurzem - jetzt hat sich diese Einstellung massivst ver.ändert.

Weg von:

  • Ich bin es nicht wert, überlebt zu haben - und dann auch noch Schuld am Tod des anderen Bruders zu sein.

und hin zu:

  • Ich lebe und genieße jetzt endlich mein Leben - auch meinen Brüdern zur Ehre und zum Andenken.

Ja - den Satz kenne ich schon lange - aber ich hatte ihn gehört - ich hatte ihn wieder vergessen - er hatte mich - bisher - nicht direkt betroffen - und das hat sich nun gewandelt:

Angenommen, meine beiden Brüder hätten sich geopfert, damit ich leben kann und darf - dann ist das Mindeste, was ich ihnen zurück geben kann, dass ich sie in meinem Herzen behalte - und - trotz Allem, was war - endlich wirklich - und vollumfänglich - glücklich bin.

So sei es 


BeitragsBild von Susan Cipriano auf Pixabay


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gottes Mühlen mahlen langsam

rund und xund

Shopping Marathon

mein AdventKalender 2020