Vor.Ur.Teile

Tragisch aber trotzdem lehrreich.

Mir ist gestern ein 6-jähriger Junge ins Auto gelaufen - und ich wähnte mich kurzfristig in einer Art Hölle - um danach den Himmel auf Erden zu erleben.

Warum Hölle - weil einige der Menschen, die das Zeltfest besuchten, sofort mit den Aussagen zugegen waren - eh klar, angsoffene Raser - das be.traf mich fast mehr als dass die Mutter des Jungen nicht viel früher da war wie die Rettung.

Ich hatte um 13 Uhr einen Geschäftstermin, trank 3 Gläser Leitungswasser - fuhr kurz heim, um für den nächsten Termin um 16 Uhr noch die vorbereiteten Kardinalschnitten zu holen - und war am Weg von zu Hause zu einer Besprechung mit meinen zukünftigen Chefinnen.

Nachdem ich beim hinauffahren schon sah, dass das Fest in vollem Gange war - und beim runter fahren noch dazu die Kardinalschnitten im Auto standen, bremste ich mich vorm Festgelände noch zusätzlich ein - so nach dem Motto, dass ich nicht zu aprubt bremsem muss, falls ein Betrunkener irgendwo raus taumelt.

Als ich dann auf Höhe eines - ich glaub es war ein Mitsubishi - so mit abgehackten Heck, also in Kindhöhe nicht durchsehbar - war, sah ich eine Bewegung und verriss das Auto nach links, konnte den Aufprall aber nicht verhindern.

Ich trat auf die Bremse, sprang aus dem Auto, da war schon ein Mann beim Kind und drehte es auf die Seite. Unmittelbar darauf stand einer mit dem Handy daneben - und ich glaub der dritte war schon mein Nachbar, von dem ich wusste, dass der sowohl bei der Feuerwehr ist, als auch, dass er als Pfleger im Krankenhaus arbeitet.

Dann meinte einer - rufts den Walter - also ging ich zum Zaun des Zeltfestes und schrie rein, sie sollen den Rot-Kreuz-Sanitäter dringend rausholen. Der hat dann das Kind auch fachgerecht versorgt und auch die Rettung war binnen kürzester Zeit da - gefolgt von der Polizei.

Ich hab nichts getan - hätte es auch gar nicht können - ich fühlte mich wie eine Maus in Anbetracht einer Katze - aber ich wusste das Kind auch in den besten Händen, die ich mir vorstellen kann - und ich find, es war eine Fügung des Schicksals, dass all das in einer Umgebung passiert ist, wo die professionellste aller Hilfen absolut prompt zur Stelle war.

Interessant waren dann die Aussagen der Besucher des Zeltfestes - die da dann eben wetterten von wegen betrunken und Raser - ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, was tatsächlich passiert war - weil sie eben im Zeltfest feierten.

Und es war auch interessant zu beobachten, wie Teile der Exekutive nachhaltig unwirsch mit mir umgingen - bis zu dem Zeitpunkt, als der Alkomat 0,00 Promille zeigte - und beim Aufnehmen der Daten klar war, dass ich kurz vorher von zu Hause weggefahren war.

Die anwesende Polizistin war von Beginn an voll nett - und rief dann auch die Sanitäter als ich vorm Alkoholtest noch Nasenbluten bekam - und wollte mich dann auch gleich mit schicken, was ich aber ablehnte, weil ich das Nasenbluten auf den Schock schob.

Ich hab dann noch den ursprünglichen Termin absolviert und danach noch das Protokoll am Posten aufnehmen lassen, bevor ich dann wirklich meine Nerven weg schmiss und mal ne Runde heulte - aber da war ich dann schon geborgen im Netz toller Freunde.

Wobei ich jetzt heute, rückblickend, nicht sicher bin, welcher Schock der grössere war - der Schock, dass grad mir ein kleiner Junge ins Auto läuft - oder der Schock über die ReAktionen der Umwelt, weil die eben so total unterschiedlich waren.

Ich werde jetzt dann mal versuchen, die Mutter des Jungen zu erreichen, ob sie schon weiß, was jetzt wirklich los ist - gestern war alles voller Blut und bei der Einvernahme wussten sie nur, dass er mehrere Knochenbrüche hat.

Das Blut war klar, weil er genau in Kopfhöhe am Rückspiegel angerannt war, er hat also sicher eine geplatzte Lippe und vielleicht ein paar Zähne verloren - ich hoffe aber, dass es nicht viel mehr ist - und vor allem nichts, was nicht in Kürze wieder heil wäre.

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