absolute Tiefpunkte

Es war und ist immer wieder Thema in meinem Leben - fallweise, dass es mir selbst schlecht geht - fallweise, weil Menschen zu mir kommen, denen es schlecht geht - finanziell - und emotional - in und mit der aktuellen Situation.

Bei mir gabs 2 absolute Tiefpunkte - das Ende meiner 1. Ehe - und dann nach dem Ende meiner 3. Ehe.


Im ersten Fall stand ich mit einem 2jährigen Kind vor der Wahl - entweder die Ehe aufrecht zu erhalten, um nicht auf der Strasse zu landen - oder zu meinen Eltern zurück gehen - dann zu Viert in einer knappen 50 m² Wohnung - ich entschied mich für Zweiteres - und schaute danach, dass ich schnellstmöglich da wieder raus kam ;-)

Und bei meiner letzten Ehe hatte ich meinem Ex alles Bargeld mit gegeben - und die Konten, die im Plus waren - ich hab ihn aus der Ausfallhaftung des Kredites raus bekommen - und ich hab den Kredit und das Haus übernommen - und dadurch letztendlich auch mich übernommen - weil dann noch durch Schrott von Versicherungen einige Zahlungsaufforderungen eintrudelten, die mich ans Limit kommen liessen.

Nach meiner 1. Scheidung wollte ich nie wieder von jemanden abhängig sein - und auch, wenn manche den Eindruck hatten, dass ichs in 2. Ehe gewesen wäre - ich hatte immer so viel, dass ich für mich alleine überleben hätte können.

Ich war erzogen worden in dem Glauben, dass Schulden etwas ganz tragisches seien - und ich habe in 2. Ehe gelernt damit um zu gehen - ich war schuldenfrei in diese Ehe gegangen - und ich hatte 16 Jahre meines Lebens damit gehadert, dass ichs nicht schaffte, von den Schulden, die ich mit geheiratet hatte, wieder los zu kommen.

Und ich habs während meiner 3. Ehe geschafft, dass einzig der Kredit fürs Haus unsere Finanzen belastet hat - und als mein LetztEx mit seinem Verlag ein fünfstelliges Minus schrieb 2007 - hab ichs abgefangen - ich hab seine gewerbliche Sozialversicherung auch noch gezahlt - aber ich hab ihn Mitte 2008 "gezwungen", seine Gewerbescheine zurück zu geben und sich arbeitssuchend zu melden.

Ohne dem Wissen, dass für seinen Lebensunterhalt gesorgt ist, hätte ich ewig ein schlechtes Gewissen gehabt, ihn in seinem - selbst verschuldeten - Elend ersticken zu lassen. Und dann trafs mich selbst wieder mal - mit überzogenem Konto wurde meine gewerbliche Sozialversicherung fällig - und das Heizöl neigte sich auch dem Ende zu.

Es kostete mich nicht Stunden - es kostete mich Tage, bis ich diese meine Hemmschwelle überwand, jemanden zu bitten, mir das Geld zu leihen. Sowohl meine Tochter als auch eine jahrelange Freundin sprangen sofort ein und beide wussten aber auch, dass sie das Geld schnellstmöglich zurück bekamen.

Sie retteten mir in dem Moment das (Über)Leben - und nachdem ich das geregelt hatte, hab ich mich dann auch wieder aufgerichtet - mich selbst aus dem Treibsand gezogen - und mir einen unselbständigen Job gesucht, der mir dabei half, meine Finanzen endlich wieder zu sanieren - und auch meine Schulden wieder zu begleichen.

Seither habe ich fallweise von Butterbrot und schwarzem Tee gelebt - und ich war mir auch nicht zu gut, in den SoMa einkaufen zu gehen während meiner letzten Zeit, in der ich arbeitssuchend gemeldet war - ich habe meine Fixkosten halbiert - ich habe alles abgegeben, was mich unnötig belastete.

Ich hab nen lieben Freund, der mir auch immer wieder geholfen hat - der meinte mal zu mir - "so genügsam wie du bist, das hab ich überhaupt noch nicht erlebt" - ja, ist so - bevor ich mich in Schulden stürtze, teile ich mir eben meine Möglichkeiten so ein, dass ich trotzdem irgendwie klar komme.

Im letzten Job - also vor dem jetzt - gabs immer wieder Diskussionen - über eben SoMa und Heizkostenzuschuss und derartige Dinge - und ich habs nie verstanden, was tragisch daran ist, in einem SozialMarkt einkaufen zu gehen.

Also ich kann nicht kochen - und habs auch nicht vor, es auf meine alten Tage noch zu lernen - und wenns was mittags zu Essen gab, was ich gerne aß, dann bin ich mittags dort hin essen gegangen - und wenn ich schon dort war, hab ich auch gleich eingekauft, was es zum einkaufen gab.

Nein, ich bin nie extra runter gefahren, das wäre auch kontraproduktiv gewesen - aber wenn ich unterwegs war - zu Öffnungszeiten des SoMa - hab ich auch vorbei geschaut, was es grad aktuell an Ware dort gab - oder auch an Bekleidung oder Schuhe oder Taschen im SecondHandShop.

Klar, auch mir ist lieber, wenn ich irgendwo zum BonPrix oder zur Ulla Popken gehen kann, um mir neue Klamotten zu kaufen - aber ich nehm auch einen Mantel um € 6,-- im SoMa - und der hält jetzt schon den 2. Winter.

Warum ich diesen Beitrag schreibe?

Weil ich es jetzt auch an unseren TeilnehmerInnen merke, dass da oftmals grosse Hemmschwellen sind, soziale Leistungen in Anspruch zu nehmen - Leistungen, die jede und jeder bekommen kann - und sei es eben nur der jährliche Heizkostenzuschuss von € 150,-- vom Land NÖ - warum sollte man was nicht beantragen, wenn es sowieso eingeplant ist, dass mans bekommen kann.

Nur sagen muss mans - selbst beantragen - und ich hätte nicht gedacht, dass das sooooo schwierig für manche Menschen ist. Ja, für mich wars immer schwierig, andere um etwas zu bitten - und ich vermeide es auch heute noch, wenns irgendwie geht - aber bevor ich mich selbst fertig mache, sage ich auch, was ich brauche - oder beantrage eben entsprechende Förderungen.

Und ich hoffe, dass ichs grad denen, die es echt dringend und nötig brauchen könnten - auch in irgend einer Form klar und begreiflich machen kann - dass manchmal das Ausfüllen und Abschicken eines Formulares schon reicht, dass man den Geldfluss beschleunigt, der das eigene Überleben nachhaltig absichern kann.

Mir haben im Laufe meines Lebens zahlreiche Menschen geholfen - mich untertützt - mental - emotional - und auch finanziell - ich schäme mich nicht dafür, auch fallweise um Hilfe zu bitten - ich weiß, dass es jeder und jedem passieren kann, dass sie eben ein nachhaltiges Tief haben - aber ohne um Hilfe zu bitten, wird diese auch nicht kommen können - weil, wenns niemand weiß, wie es mir - oder dir - geht, kann mir - oder dir - auch niemand helfen.

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