Mindestmaß an Grundintelligenz

"Du kannst Alle erreichen, was du dir vorstellen kannst."

Ich gestehe, ich kann den Spruch nicht mehr hören - weil ich ganz genau weiß, dass es nicht so ist. Nein, es geht nicht um mich - es geht um Menschen, denen genau das fehlt, was sie dazu brauchen würden, um wirklich Alles erreichen zu können.


Da gab es einen Jungen - damals - als ich noch Kind war - er war etwas älter als ich - und er hatte als Spitzname - "Hans guck in die Luft" - weil er dauernd verträumt herum lief. Er hatte als Kind eine schwere Krankheit, die auch sein Gehirn befallen hatte.

An und für sich war er ein netter Junge, er war nur nicht "ganz da" - lebte in seiner (Traum)Welt - und wäre dort sicher auch glücklich geworden - wenn er entsprechende Eltern gehabt hätte. Und ja, das Thema begleitet mich Zeit meines Lebens - und ja, ich stehe dazu - und schreibe es zum ersten Mal auch öffentlich als persönliches Statement:

Es gibt Menschen mit besonderen Bedürfnissen,
denen man nicht einreden sollte, dass Alles möglich ist
weil es - für sie - nie so sein wird.

Ja - meine Überzeugung - aus jahr(zehnte)langer Beschäftigung mit solchen Menschen - und auch aus zahlreichen Gesprächen mit Menschen, die in Einrichtungen arbeiten, welche sich um genau solche Menschen kümmern.

Nein, ich gehe nicht grundsätzlich davon aus, dass man solche Menschen wegsperren sollte - aber wenn sie Zeit ihrer Kindheit und Jugend nicht entsprechend gefördert wurden, werden sie als Erwachsene wenig bis keine Chancen haben, wirklich etwas zu erreichen, oder Beschäftigungen finden, die ihrem geistigen Horizont entsprechen.

Ich weiß, dass es auch "behinderte" Menschen gibt, die Dinge erreichen, die quasi unvorstellbar sind - aber die haben auch Stärken - und alle haben eins gemeinsam - sie wurden in frühester Jugend nicht von den Eltern als "normal" betrachtet - und in diese NormalitätsSchiene gepresst.

Obiger Junge - der "Hans guck in die Luft" - war immer glücklich und zufrieden - aber seine Mutter zwang ihn, die Handelsakademie zu absolvieren - er schaffte es auch - mit viel Fleiss und auswendig lernen. Er machte auch den Führerschein - wie auch immer er beim praktischen Teil durch kam.

Und - er war eine Gefahr für die Menschheit - wenn er in seiner - Hans guck in die Luft - Welt mit dem Auto spazieren fuhr - und dann eben dem Gegenverkehr auf dessen Seite entgegen kam.

Seine Mutter wollte nur das Beste - und war auch engagiert - und brachte ihn - mehrmals - auf Bürojobs unter - die er nicht mal ansatzweise schaffte, weil er eben zwar super auswendig lernen konnte - aber dieses Wissen nicht verstand - und daher auch nicht praktisch anwenden konnte.

Aber - ihr Sohn war - für sie - normal - er war nicht behindert - in ihrer Sicht der Dinge - also behandelte sie ihn wie einen normalen - geistig und körperlich gesunden Menschen - und überforderte ihn dadurch permanent.

Auch später habe ich das immer und immer wieder feststellen müssen, dass Eltern einfach nicht wahrhaben wollten, dass ihre Kinder "anders" sind - eben nicht die körperlichen und/oder geistigen Voraussetzungen mit bringen, um ein normales Leben zu führen.

Menschen, denen es verwehrt wurde, glücklich zu werden, weil sie von Erziehungsberechtigen in die Schablone "normal" gepreßt werden, obwohl sie es nicht sind. Menschen, deren Eltern so in diesem "Normal" fest stecken, dass die Kinder keine Chance bekommen, sich - ihren Fähigkeiten entsprechend - zu ent.wickeln.

Ich kenne einen jungen Menschen, dem Zeit seines bisherigen Lebens gesagt wurde, dass alle anderen Menschen schuld seien, dass er nicht der große Geschäftsmann wurde - weil die bösen Lehrer diesen Menschen in die Sonderschule sperrten, statt in die Hochbegabtenklasse.

Naja, also, wenn ich selbst ganz fit bin - und die LehrerInnen mein Kind in die SonderSchule stecken wollen - dann würd ich nicht wirklich einfach zuschauen - und/oder - nicht hinterfragen, warum das so ist - wobei es dann auch oftmals darum geht, dass dieses Thema schon viel früher mal angesprochen hätte werden sollen.

Er war lerntechnisch Spitze - aber er konnte sich mit über 20 Jahren nicht mal die Schuhe selbst zubinden - weil es einfach Defizite gibt, die nie irgendwie gesehen und oder in irgend einer Form - durch entsprechende Förderung - minimiert wurden - konkret hieß es dann - er hat autistische Züge.

Ich kenne auch noch andere Menschen, die zwar lernen und das Gelernte auch - genau so - wieder runterbeten können - und denen immer und immer wieder gesagt wurde - von den Erziehungsberechtigten - dass sie super begabt und toll seien - die aber in der Realtität allein für sich nicht lebensfähig sind.

Auch in meinen letzten beruflichen Tätigkeiten zeigte es sich immer wieder, dass viele Mmenschen mit den einfachsten Dingen überfordert sind - aber - weil ihnen jemand immer und immer vorbetete, dass sie eigentlich ganz toll und super seien - dies glaub(t)en - und sich dem entsprechend aufführen.

Ich finde es schade, dass diese Menschen nie eine Chance haben werden, sich richtig und ihren Veranlagungen entsprechend zu ent.falten - doch dazu werd ich im anderen Blog noch ausführlicher schreiben.

Hier geht es mir vorerst mal darum, dass ich es unverantwortlich finde, wenn jemand merkt, dass ein Mensch eben nicht "normal" ist - diesen dann aber in diese Schiene pressen zu wollen.

Und am Unverantwortlichsten empfinde ich es speziell im Network Marketing - oder in den ganzen
Ablegern solcher Systeme - wenn Menschen in Systeme geholt - und gehalten werden - damit sie weiter für Provisionen sorgen - Menschen, die dafür absolut nicht geeignet sind - die nicht mal die grundlegendsten Basics dessen verstehen, worum es gehen könnte - die keine Zusammenhänge erkennen - sondern einfach lapidar das nach plappern, was ihnen irgendwer vor plappert.

Ja, auch ich war jetzt nicht ganz das, was andere als "normal" bezeichnen würden - aber ich hatte den großen Vorteil eines starken Willens - und einer Überlebensfähigkeit, die nicht jeder Mensch hat - und ich bin zutiefst dankbar dafür.

Vielleicht triggert es mich deswegen gar so stark - und begegnet mir immer und immer wieder - Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die glauben, sich in Schablonen pressen zu müssen - obwohl keinerlei Veranlagung dafür vorliegt - oder auch eben diese vorgenannten Thematiken - sie können Punkt für Punkt etwas abarbeiten - aber, weil jemand, dem sie vertrauen - den sie bewundern - sagt, dass Alles möglich ist - versuchen sie Alles, um dessen Vorstellungen gerecht zu werden.

Hiermit klage ich alle Menschen an,
die keinerlei Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Schutzbefohlenen nehmen.

Dabei geht es um Eltern, die nicht hinschauen, was ihre Kinder wirklich brauchen würden - aber auch um TrainerInnen und Coaches, die ihren KlientInnen und/oder TeamPartnerInnen immer und immer wieder einreden, dass die Alles können würden - obwohl dies weit entfernt von Allem ist, was machbar und möglich ist.

Ja, ich weiß - es heißt, ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage - nicht auch dafür, was andere verstehen - nein - stimmt so nicht - wenn ich mit jemanden kommuniziere, die/der offensichtliche Beeinträchtigungen hat - dann habe ich die verdammte Pflicht, darauf Rücksicht zu nehmen.


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