mein Mutter-Thema

Nachdem ich letztens den Beitrag

bedingungslose Liebe

geschrieben hatte, wurde ich von nem lieben Bekannten danach gefragt, was ich für ein Problem mit meiner Mutter hätte - es war aber nicht die richtige Zeit und auch nicht der richtige Ort, ums ihm wirklich zu erzählen - und ausserdem kann ichs ja auch hier machen - und ich musste die Frage auch mal bissale sacken lassen.

Anlass war dieser mein letzer Absatz

Von meiner Mutter kann und würde ich es nicht behaupten wollen, dass ich sie liebe - nicht mal mit Bedingungen - ich habe mich damit arrangiert, dass sie die beste Mutter ist, die ich haben kann - weil die einzige, die ich habe - aber das wars auch schon. 

Tja, was hab ich für ein Problem mit meiner Mutter? Gar nicht so leicht ;-) Wo soll ich anfangen? Hatte ich schon jemals kein Problem mit meiner Mutter? Nicht, dass ich mich erinnern könnte :-)

Wobei - seit sie im Pflegeheim (seit August 2012) ist, besuche ich sie 1x wöchentlich - eigentlich frei.willig - bin bis zu eineinhalb Stunden bei ihr - und es geht mir gut dabei. Meist verbinde ich diese Besuche dann allerdings mit einem Besuch bei Freunden, oder damit, mir in einem "befreundeten" Lokal was Gutes zu Essen zu gönnen.

Irgendwie hat sich mein "Verhältnis" zu meiner Mutter durch den Tod meines Vaters verändert - irgendwie hab ichs übernommen, mich bissale um sie zu kümmern - wobei es eben jetzt nicht so das innige Verhältnis zwischen Tochter und Mutter ist - sondern könnt durchaus auch sein, dass ich sowas für ne gute Bekannte tun würde.

Was ist anders seit mein Vater gestorben ist?

Sie ist nicht mehr ganz so negativ wie früher, als sie sich noch gegenseitig darin anstachelten, allen Menschen erklären zu wollen, wie schlecht doch die Menschheit ist - und wie arm wir doch alle seien - naja, speziell halt eben meine Eltern.

Sie waren 54 Jahre verheiratet und er war ihr einziger Lebensinhalt - und Mitte 2012 wars dann auch klar, dass sie irgendwie mit ihrem Geld nicht mehr über die Runden kommt, wenn sie sich die Pflege zusätzlich leisten muss - und dann hat meine ExSchwägerin darauf gedrängt - und alles unternommen - damit sie schnellstmöglich ins Pflegeheim kommt.

Mir konnts nur recht sein, weil ich hätte weder die Zeit gehabt, mich um ihre Pflege zu kümmern - noch hätte ich es überhaupt in Betracht gezogen, dies auch nur an zu denken. Das wurde mir so richtig klar, als sie mal im Spital lag und eine Bettnachbarin meinte - "Super, jetzt ist ihre Tochter da, die wirds sie dann ja zu ihr nehmen."

Und ich schaute sie an und meinte "SICHER NICHT"  - also um nichts in der Welt hätte ich das tun wollen - ich mein, unabhängig davon, dass ich bei mir keinen entsprechenden Raum gehabt hätte - und auch keine Ambitionen, zu ihr zu ziehen.

Wie schon gesagt - ich hatte meine Mutter nie geliebt - und ich hatte auch nichts, was man ein liebevolles Verhältnis nennen könnte - sie ist meine Mutter - die einzige, die ich hab - und damit muss ich klar kommen.

Ich habe jahrzehntelang darunter gelitten, dass ich meiner Tochter keine "gute Mutter" war - und viel davon hab ich von meiner Mutter übernommen - ich wusste nie, wie es sich anfühlt, eine liebevolle Mutter zu haben - ich kannte nur Eiseskälte.

Es gibt einige spekulative Erklärungen, warum das so sein könnte - aber das einzig wirklich wichtige ist, dass ich ihr deswegen nicht mehr böse bin. Ja, nicht nur, dass ich meine Mutter nie geliebt hatte - ich hatte sie jahrelang richtiggehend gehasst - allein, wenn sie mich berührt hat (da hat Händeschütteln schon gereicht) hätte ich am liebsten nen Tobsuchtsanfall bekommen und wär laut schreiend davon gelaufen.

Ich weiß nicht, was sie so hat werden lassen, wie und was sie ist - ich habe gelernt, dass er mir nicht zusteht, über sie zu richten und sie zu verurteilen - ich achte ihr Schicksal, von dem ich nicht einmal einen Bruchteil weiß - aber mehr kann und will ich (ihr) nicht geben.

Was ist es jetzt konkret, was mich an ihr am meisten "stört"? Eigentlich sinds zwei Dinge - zum Einen die extreme Negativität, die sie seit Jahrzehnten predigt und lebt - und zum Anderen ihre permanenten sinnlosen Lügen.

Beides war wichtig, damit ich mich jahrzehntelang bemühte, genau das Gegenteil aus zu leben, wie sie ist. Mittlerweile ist mir aber auch bewusst, dass, je mehr ich mich dagegen wehre, dass ich ja auch zu 50 % ihr ähnle, desto mehr werde ich so wie sie - und seit ich es ab und zu zulasse, dass ich mich dabei ertappe, mich selbst hassen zu wollen, weil ich Verhaltensweisen meiner Mutter an mir feststelle, und dann liebevoll auf mich schaue - komme ich auch mit meiner Mutter besser klar.

Meine Mutter hat immer und überall gelogen - aus meiner Sicht - und zwar absolut sinnlos - kleines Beispiel - ich fuhr täglich in die HAK nach Wiener Neustadt - und fallweise steckte mir dann am Wochenende eine Nachbarin etwas Geld zu, weil ich ja so super fleissig sei und neben meiner Schule auch noch das Stiegenhaus mache.

Anfangs wusste ich überhaupt nicht, worums ging, bis ich drauf kam, dass meine Mutter nach der Arbeit nächtens noch die Stiegen draussen runter wischte oder sonst irgendwo Ordnung "am Gang" schaffte - und dann den Leuten erzählte, ich würde das tun - als ich es erfuhr wäre ich am liebsten im Erdboden versunken - aus Scham - und auch aus Verachtung meiner Mutter gegenüber.

Anderes Beispiel - auch von dieser Zeit - meine Mutter arbeitete im 2-Schicht-Betrieb, d.h. entweder 6 bis 14 Uhr - oder von 14 bis ca. 22 Uhr - und irgendwie kamen von ihr immer wieder Meldungen, wo ich mich fragte, woher sie das wissen könne - bis ich drauf kam, dass sie jeden Abend zu mir ins Zimmer kam, um mich "aus zu fragen" - und dieses Wissen dann gegen mich zu verwenden - allerdings in dem Bewusstsein, dass ich im Schlaf sprach und nichts von dem wusste, was ich ihr erzählte.

Sobald ich da drauf kam stellte ich das ab - nein, ich sprach sie nicht drauf an  - dafür war ich ewig zu feig - und ausserdem hätte es eh nichts gebracht, weil sie hat ähnliche Dinge immer wieder "abgestritten". Es war und ist einfach "ihr Muster" - sie bastelt sich etwas zurecht - und glaubt das dann allerdings auch selbst - das war eine Erkenntnis, seit dem ich besser mit ihren Lügen klar komme.

Ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass ich es nicht mag, wenn wer sinnlos lügt. Ich mags überhaupt nicht, wenn wer lügt - deshalb lüge auch ich selten bis nie - und schon gar nicht bewusst - aber diese sinnlosen "Geschichten" machen mich überhaupt "unrund".

Ok - zwischenzeitlich kann ichs "auf ihr Alter" schieben - wobei, ist einfach "ihre Welt". Als mein Vater seinen 85. Geburtstag hatte konnte ich nicht vorbei kommen, also rief ich an und kündigte mich fürs Wochenende danach an. Später erfuhr ich, dass meine Mutter überall erzählt, ich hätte es nicht der Mühe wert gefunden, meinen Vater zum Geburtstag zu gratulieren.

Blöderweise hat sie es auch jemanden erzählt, der zu der Zeit auf Besuch war - und mir noch liebe Grüße ausrichten ließ als ich anrief. Keine Ahnung, ob das wer nachvollziehen kann - mit welchen Lügenmärchen ich aufgewachsen war - und wogegen ich mich jahrzehntelang behaupten musste - wenn ich nicht in den gleichen Sumpf reinschlittern hab wollen.

Ja, ich hätte mich anpassen können - das Leben wäre sicher wesentlich leichter gewesen - weil ich hätte mich nicht permanent gegen die Lügengeschichten meiner Mutter abgrenzen und "verteidigen" müssen. Ich mein, die meisten Menschen, die öfter mit ihr zu tun hatten - und auch noch haben - wissen, wie sie ist - und wissen auch, dass man nicht mal die Hälfte von dem glauben kann, was sie sagt - aber trotzdem kams immer wieder zu unschönen Szenen.

Die letzte derartige Aktion war nach Weihnachten - als mich meine ExSchwägerin anrief und mich bat, dringend meine Mutter an zu rufen, weil sie wegen Besuch und GKontoauszügen mit mir reden wolle und/oder müsse. Ich rief sie an - sie wusste nicht, worums geht - war aber egal, weil ich sowieso aufn Weg zu ihr war.

Also rief ich meine ExSchwägerin an und fragte, worums geht - und sie meinte eben - wegen Besuche - und weil meine Mutter "kein Geld bekäme" - es keine Kontoauszüge gäbe - und auch die Bankomatkarte verschwunden sei.

Als ich zu meiner Mutter kam, fragte ich dann eben auch, was wegen Besuche sei - und sie meinte, sie hätte meiner ExSchwägerin erzählt, dass sie keinen Beusch "über die Feiertage bekommen hätte - und dass auch niemand angerufen hat".

Ok - ich war am 21.12. bei ihr, weil ich mir da vorher auch die Brillen abholte - danach waren meine Tochter und ich am 26.12. bei ihr (weil wir jedes Jahr am 26.12. bei meinen Eltern waren) - und das Ganze war am 4.1. - als ich auf dem Weg zu ihr war - zum meinem allwöchentlichen Besuch - nur- von wegen - niemand war auf Besuch "über die Feiertage".

Und das zweite waren Geld und Kontoauszüge - ich hatte ihr am 26.12. einen Auszug vom ganzen Jahr ausgedruckt - farbig angestrichen, was Einnahmen und Ausgaben waren - habs ihr erklärt, sie mehrmals gefragt, ob das für sie so ok wäre - sie antwortete "ich bin ja kein Dodel" - ich ging davon aus, sie wisse, was sie sagt :-)

Wegen Geld gabs ne Episode, die meiner Tochter auch sehr gut gefallen hat - meine Mutter fiel in ihren Singsang von wegen - "alle bekommen Geld von der Bank, nur ich nicht" - woraufhin ich sie fragte, wie viel sie bräuchte, ich würde auf die Bank rüber fahren und es ihr holen - sie schaute mich vorwurfsvoll an und meinte "ich brauch doch kein Geld" - naja, wie jetzt ?

Das war das Eine - ihre Welt - mit der ich nie klar kam - und auf der anderen Seite ihr Märtyrertum, dass sie eigentlich Zeit meines Lewbens exszessiv praktizierte - also so lange ich denken kann, war sie immer die Arme - alle anderen Menschen waren und sind so bös und so schlecht zu ihr - und sie müsse ja in ihrer Opferrolle verharren wie die Maus vor der Katze.

Und ausserdem war sie ja immer krank - musste permanent leiden - und niemand nahm Rücksicht auf ihre Befindlichkeiten - sie ging allerdings auch selten bis nie zum Arzt, weil das würde sie nicht überleben - auf die Idee, dass er sie einfach vielleicht gesund machen könnte, kam und kommt sie nicht - sie sudderte mir/uns lieber die Hucke voll, als dass sie jemals irgendwas an ihrem Zustand ver.ändert hätte.

Klar, auch das prägte mich - auch hier wollte ich nie so werden wie sie - und Menschen, die den ganzen lieben langen Tag lang nur sudern und penzen, sind mir schlichtweg ein Greuel - auch hier habe ich zwischenzeitlich gelernt, nen grossen Bogen um jene zu machen - und mich lieber mit denen zu umgeben, die Spaß am Leben haben - und auch mal die schönen Seiten erkennen können.

Was gibt es Positivers zu sagen? Über meine Mutter? Darüber muss ich noch länger nachdenken. Das einzige, was mir einfällt - sie hatte es sicher nicht leicht - und es wird einen Grund geben, warum sie so geworden ist, wie sie ist - aber ich habe auch keine Lust (mehr), es auch nur annähernd wissen zu wollen.

Ich habe mich arrangiert - ich kann ihr neutral gegenüber treten - das ist schon eine wesentliche Verbesserung unseres "Verhältnisses" - gegenüber dem Zustand, wie er in den letzten Jahrzehnten war - und ich hege auch gar keinen Anspruch drauf, dass sich da noch weiter was ver.ändern und/oder ver.bessern sollte.

Was mir grad auch noch aufgefallen ist - sie hat auch immer irgendwie "alles abgestritten" - konnte nie zu den Dingen stehen, die sie gesagt und getan hat - hat lieber die ganze Menschheit als "blöd" hingestellt, als mal nen eigenen Fehler zu zu geben - witzigerweise ist mir das nämlich grad eben wieder auch in facebook "passiert" - jemand steigt in eine Diskussion mit mir ein - und sobalds für sie unangnehm werden könnte - löscht sie die bereits geposteten Beiträge, auf die andere Menschen mittlerweile geantwortet hatten.

Vertuschen und abstreiten - klingt voll nach meiner Mutter ;-)

Achja - och was - "ich sag ja nur die Wahrheit" - das war auch so ein Satz, wegen dem ich manchmal gern die Wände hochgegangen wäre - ich konnte ihn nicht mehr hören. Immer, wenn man - also speziell ich - Gegenargumente auf irgend eine ihrer Feststellungen brachte - immer, wenn ich es wagte, ihr auch nur ansatzweise widersprechen zu wollen - kam der mentale Faustschlag - "Ich sag ja nur die Wahrheit - und die musst du aushalten".

Diese Haltung machte mich fallweise rasend - und ich mags noch immer nicht, wenn wer so re.agiert - mittlerweile geb ichs mir allerdings auch immer nur einmal, dass mir wer so kommt - und dann suche ich mir wieder mal ne neue Spielwiese - ist mir zu mühsam, wenn jemand so absolut die eigene Meinung vertreten muss - auch, wenn der Rest der Welt genau das ganz anders sieht.

Ja - ist auch schon immer mein Thema - Szenenwechsel - EDV-Seminar - ich erkläre - klickt bitte auf dieses gelbe Mapperl (Dateiorganisation am PC) und eine Teilnehmerin meint, sie wisse nicht, was sie tun solle - bis ich hinter ihr steh und am Bildschirm auf das entsprechende Symbol klicke - und sie meint - aber das ist doch grün - und ich schnappe mal wieder nach Luft - wie auch immer bei derartigen Meldungen meiner Mutter - und fang gar keine Diskussion an, "weils eh sinnlos ist."

Und was mir eben in letzter Zeit immer wieder mal auffällt - sobald ich mehr zu dem steh, was mir persönlich wichtig ist - und dies auch kommuniziere - bei weitem weniger nachhaltig als meine Mutter - desto besser gehts mir - und desto mehr Probleme bekommen aber Teile meiner Umwelt.

Von daher schließt sich hier der Kreis - ich sag ja nur die Wahrheit - wobei mir bewusst ist, ich stehe zu meiner Überzeugung - ich empfinde das, was ich kommuniziere nicht als allgemeingültiges Muss - und ich möchte und werde auch niemanden meine Meinung "aufzwingen" - aber ich teile sie gerne mit jenen, die sie hören oder lesen wollen :-)

Und dafür muss ich jetzt wieder der harten Schule meiner Eltern - speziell meiner Mutter - dankbar sein - weil ohne ihr jahrzehntelanges Generve wäre ich heute nicht genau hier, wo ich jetzt bin.

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